Wer neu bei iRacing ist, stolpert sehr schnell über die Begriffe Safety Rating (SR), iRating (iR), Strength of Field (SoF) und MPR. Viele konzentrieren sich von Anfang an auf ihr iRating, obwohl alle diese Werte unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Hier möchte ich die wichtigsten Begriffe erklären und gleichzeitig meine persönliche Meinung zu einigen Themen im Sim-Racing teilen.
MPR – Minimum Participation Requirement
Bevor man überhaupt über einen Lizenzaufstieg nachdenken kann, muss zunächst die sogenannte MPR (Minimum Participation Requirement) erfüllt werden.
MPR bedeutet nichts anderes als Mindestteilnahme.
iRacing möchte damit sicherstellen, dass Fahrer genügend Erfahrung in ihrer aktuellen Lizenzklasse gesammelt haben, bevor sie aufsteigen.
Für einen Aufstieg müssen daher nicht nur die erforderlichen SR-Werte erreicht werden, sondern auch genügend offizielle Rennen oder Time Trials absolviert werden.
Typischerweise gilt:
- Rookie → D: mindestens 2 Rennen oder 4 Time Trials
- D → C → B → A: je nach Lizenzklasse mehrere offizielle Rennen oder Time Trials der entsprechenden Serie
Erst wenn die MPR erfüllt ist, kann ein Aufstieg erfolgen.
Das Safety Rating (SR)
Das Safety Rating bewertet, wie sauber und sicher Du auf der Strecke unterwegs bist.
Dabei interessiert iRacing nicht, wie schnell Du bist oder auf welchem Platz Du ins Ziel kommst. Entscheidend sind ausschließlich Deine Incidents im Verhältnis zur Anzahl der gefahrenen Kurven.
Je weniger Zwischenfälle Du verursachst oder in sie verwickelt wirst, desto höher entwickelt sich Dein Safety Rating.
Lizenzaufstieg
Für einen Aufstieg müssen die MPR-Anforderungen erfüllt sein.
Aufstieg am Saisonende
- MPR erfüllt
- SR mindestens 3.00
Sofortiger Aufstieg (Fast Track Promotion)
- MPR erfüllt
- SR mindestens 4.00
Lizenzabstieg
Ein Abstieg kann jederzeit erfolgen.
Sofortiger Abstieg (Fast Track Demotion)
- SR unter 2.00
Dann erfolgt die Rückstufung in die nächstniedrigere Lizenzklasse.
Eine Besonderheit gibt es bei Rookie-Fahrern: Wer die Rookie-Klasse einmal verlassen hat, kann später nicht wieder in Rookie zurückgestuft werden.
Das SR ist wie ein Konto
Viele Fahrer ärgern sich darüber, dass sie Incident Points erhalten, obwohl sie einen Unfall gar nicht verursacht haben.
Das Schweizer iRacing-Urgestein Michael Schaller, besser bekannt als Schalli, hat das für mich einmal sehr treffend erklärt:
„Das SR ist wie mein Kapital. Wenn es kracht, wird es weniger. Egal wer schuld war. Im echten Motorsport zahlt mir das andere Team den Schaden auch nicht.“
Diese Sichtweise gefällt mir bis heute sehr gut.
Das SR-System bewertet nicht die Schuldfrage. Es bewertet ausschließlich, wie viele Kontakte und Zwischenfälle insgesamt passieren.
Das iRating (iR)
Während das Safety Rating Deine Sicherheit bewertet, misst das iRating Deine sportliche Leistung.
Nach jedem offiziellen Rennen berechnet iRacing, wie Du im Vergleich zu den anderen Teilnehmern abgeschnitten hast.
- Gute Ergebnisse gegen starke Fahrer erhöhen Dein iRating.
- Schlechte Ergebnisse lassen Dein iRating sinken.
Das iRating dient hauptsächlich dazu, möglichst ausgeglichene Teilnehmerfelder zusammenzustellen.
Je höher Dein iRating, desto stärker werden in der Regel auch Deine Gegner.
Wichtig dabei:
Ein hohes iRating bedeutet nicht automatisch, dass jemand sauber fährt.
Genauso bedeutet ein hohes Safety Rating nicht automatisch, dass jemand besonders schnell ist.
Deshalb existieren beide Systeme nebeneinander.
Was bedeutet SoF?
Neben dem iRating findet man in den Rennergebnissen häufig die Abkürzung SoF (Strength of Field).
Das SoF beschreibt die Stärke eines Fahrerfeldes.
Vereinfacht gesagt handelt es sich um einen Wert, der aus den iRatings aller Teilnehmer berechnet wird.
Je höher das SoF, desto stärker gilt das Fahrerfeld.
Beispiele
- SoF 1.200 = eher Anfängerfeld
- SoF 2.500 = solides Mittelfeld
- SoF 4.000+ = sehr starkes Fahrerfeld
- SoF 6.000+ = oft Top-Split-Niveau
Ein Sieg in einem Rennen mit niedrigem SoF ist natürlich erfreulich.
Ein fünfter Platz in einem Rennen mit sehr hohem SoF kann unter Umständen aber die größere Leistung sein.
Deshalb betrachten viele erfahrene Fahrer nicht nur ihre Platzierung, sondern auch die Stärke des Teilnehmerfeldes.
Zahlen sind nicht alles
Ein Punkt, der mir persönlich immer wieder auffällt:
Viele Fahrer sind regelrecht besessen davon, möglichst viel iRating zu sammeln.
Das große Ziel lautet oft:
„Ich will unbedingt in den Top-Split.“
Ich sehe das etwas differenzierter.
Als Zuschauer zahlreicher iRacing-Livestreams auf YouTube stelle ich häufig fest, dass die Rennen der absoluten Topfahrer zwar beeindruckend, aber nicht immer die spannendsten sind.
Natürlich kann ein Rennen mit mehreren 10K-Fahrern hochklassig sein.
Oft sieht man jedoch zwei Extreme.
Entweder sind die Fahrer vom Leistungsniveau so eng beieinander, dass über viele Runden praktisch nichts passiert. Das Feld fährt wie an einer Perlenkette hintereinander her. Fehler sind selten, Überholmanöver noch seltener.
Oder ein Topfahrer landet aufgrund geringer Teilnehmerzahlen in einem Split mit deutlich niedrigerem SoF.
Dann passiert häufig Folgendes:
Der Fahrer startet vorne, fährt davon und gewinnt mit großem Vorsprung. Das einzige, was sich während des Rennens verändert, ist der Abstand zu Platz zwei.
Beeindruckend?
Ja.
Spannend?
Meiner Meinung nach eher nicht.
Sind Rennen mit 1.000 bis 2.000 iRating vielleicht sogar schwieriger?
Das mag zunächst komisch klingen.
Aber ich glaube tatsächlich, dass manche Rennen im Bereich von 1.000 bis 2.000 iRating schwieriger sein können als Rennen unter Spitzenfahrern.
Ein Fahrer mit 10.000 iRating weiß meistens genau:
- wo seine Gegner bremsen
- welche Linie sie fahren
- wie sie sich in Zweikämpfen verhalten
Alles ist sehr konstant und vorhersehbar.
Im Mittelfeld oder bei Einsteigern sieht das oft anders aus.
Ein Fahrer bremst eine Runde bei 100 Metern.
In der nächsten Runde vielleicht schon bei 120 Metern.
Zwei Kurven später wieder bei 90 Metern.
Genau diese Unvorhersehbarkeit macht das Racing häufig anspruchsvoll.
Man kann dem Gegner nicht blind vertrauen.
Daher beobachtet man in Community-Rennen mit stark gemischten Fahrerfeldern immer wieder Situationen, in denen ein 5K- oder 6K-Fahrer einem 1K-Fahrer ins Heck fährt.
Nicht unbedingt aus Rücksichtslosigkeit.
Sondern oft deshalb, weil beide Fahrer völlig unterschiedliche Erwartungen an den Bremspunkt hatten.
Fehler gehören zum Lernen dazu
Ein weiterer Punkt, der mich im Sim-Racing allgemein stört, betrifft den Umgang miteinander.
Kaum kracht es irgendwo, geht es im Chat oder Voice Chat häufig sofort los.
Es wird geschimpft, beleidigt und nach Schuldigen gesucht.
Oft sogar noch bevor sich jemand das Replay überhaupt angesehen hat.
Dabei zeigt eine Wiederholung erstaunlich häufig etwas anderes als der erste Eindruck während des Rennens.
Nicht selten stellt sich heraus, dass der vermeintliche Schuldige vielleicht gar nicht so viel falsch gemacht hat.
Vielleicht wurde ihm zu wenig Platz gelassen.
Vielleicht hatte er gar keine Möglichkeit auszuweichen.
Oder vielleicht war es einfach ein Rennunfall.
Reporten mit Augenmaß
Grundsätzlich habe ich nichts gegen das Report-System.
Im Gegenteil.
Wer absichtlich andere Fahrer abschießt, wiederholt extrem aggressiv fährt oder andere Teilnehmer beleidigt, sollte meiner Meinung nach auch gemeldet werden.
Was ich jedoch nicht verstehe, ist das inflationäre Reporten einfacher Fahrfehler.
Gerade in den unteren Splits lernen die Fahrer noch.
Wenn ein Rookie seinen Bremspunkt verpasst oder beim Herausbeschleunigen das Fahrzeug verliert, dann ist das zunächst einmal genau das:
Ein Fahrfehler.
Nicht mehr und nicht weniger.
Natürlich sollte man sich für so etwas entschuldigen.
Aber danach sollte die Sache im Normalfall auch erledigt sein.
Niemand steigt als perfekter Rennfahrer in iRacing ein.
Wir haben alle einmal Fehler gemacht.
Wir machen sie teilweise heute noch.
Und wir werden auch in Zukunft Fehler machen.
Das gehört zum Motorsport, egal ob real oder virtuell.
Mein persönliches Fazit
Natürlich macht es Spaß, wenn das iRating steigt und man sich mit immer stärkeren Gegnern messen kann.
Aber am Ende sind SR, iR und SoF für mich nur Zahlen und Werkzeuge, um möglichst faire Rennen zu organisieren.
Wichtiger ist aus meiner Sicht etwas anderes:
- Respekt gegenüber den Mitfahrern
- Fairness auf der Strecke
- Die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen
- Und vor allem der Spaß am gemeinsamen Racing
Denn genau deshalb sitzen wir doch alle im virtuellen Cockpit.
🏁🚗 Viel wichtiger als ein paar Punkte mehr oder weniger auf dem Konto.
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